Woher kommt der Muttertag ?

 

Die Entstehung des Muttertags geht auf Ann Jarvis, die Tochter einer Frauenrechtlerin und eines Methodistenpredigers in Philadelphia, West Virginia, zurück. Sie verlor nach dem Vater 1905 auch ihre Mutter am zweiten Sonntag des Monats Mai. Mit ihrer Schwester zusammen gedachte Ann am Jahrestag ihrer Mutter, stellte Blumen unter ihr Bild und zündete eine Kerze an. Auf SALZBURG.AT, der Plattform der Europaregion, kann man über die Hintergründe dieses Tages zur Freude der Mütter und der Verkäufer Interessantes nachlesen.


Miss Jarvis berief am 12. Mai 1907 ein „Mother’s Day Meeting“ ein und warb für einen allgemeinen Gedenktag für alle Mütter. Es gelang Ann Jarvis auch, führende Politiker aufmerksam zu machen, und 1914 erklärte Präsident Wilson den zweiten Sonntag im Mai zum jährlichen allgemeinen „Muttertag“.


Einige europäische Länder übernahmen die Feier des Muttertags bald nach dem Ende des Ersten Weltkriegs. In Österreich wurde der Muttertag 1924 auf Anregung von Marianne Hainisch, der Mutter des damaligen Bundespräsidenten, und der ihr nahe stehenden Frauenorganisationen eingeführt. Nicht in allen Ländern wird er am zweiten Sonntag im Mai gefeiert, aber überall wird er kommerziell ausgeschlachtet. Von Anfang an waren die Blumenhändler an ihm interessiert, dann die Verkäufer von Süßwaren, Bekleidung, Porzellan, Parfums und Schmuck. So sehr sich Ann Jarvis – sie starb 1948 – über die rasche Verbreitung ihres Muttertags in etwa fünfzig Ländern freute, so sehr grämte sie sich auch über die mit ihm verbundene Geschäftemacherei. Für sie war der Gedenktag in erster Linie ein Tag des Dankes an die Mutter und auch an Gott. Daher entstand die Tradition eines Muttertags-Gottesdienstes, daher benützte man religiöse Motive als Bilderschmuck der ersten Muttertagskarten.


Not und Lob


Nach dem Ersten Weltkrieg war die Geburtenrate drastisch gesunken, so dass eine allgemeine Aufwertung von Familie und Mutterschaft für den Bestand des Staates notwendig geworden war. Das Lob der Mütter wurde nun auch vermehrt in der Unterhaltungsmusik gesungen: „Mammy, für mich bist du die schönste Frau der Welt“, hieß es zum Beispiel in einem Schlager des Jahres 1927. Das „Deutsche Volk“ ehrte seine Mütter zur Zeit des Dritten Reiches durch Auszeichnungen. Gebärfreudige M
ütter erhielten das Mutterkreuz in verschiedenen Ausführungen: aus Bronze für vier bis fünf Kinder, aus Silber für sechs bis sieben, aus Gold für acht und mehr Kinder.


Gestaltung noch zeitgemäß?


Die seit seinem Entstehen beinahe gleich bleibende Gestaltung des Muttertags birgt die Gefahr der Erstarrung in sich, es sind ja auch noch immer dieselben Institutionen (Kindergarten, Schule, Jugendorganisationen, Kirche) und Geschäftsleute an seiner Vorbereitung beteiligt. Das Fest nützt sich ab. Mütter und Kinder werden in eine Rolle gedrängt, die sie oft gar nicht mehr spielen wollen. Die Schwerpunkte im Leben der Frauen unserer Gesellschaft haben sich in den vergangenen Jahrzehnten wesentlich verschoben. Vielen berufstätigen Frauen ist es nun möglich, ein von einem Ehemann finanziell unabhängiges Leben zu führen. Heirat und Mutterschaft sind also nicht mehr ihre einzigen Lebensziele.


(Auszug aus der CD-ROM „Bräuche im Salzburger Land – In Familie und Gesellschaft“, erschien im Frühjahr 2005, Ingrid Loimer-Rumerstorfer: Muttertag. Von der Magna Mater zur lieben Mama.)


Quelltext: Pressedienst SBG. LRG 104