Vorsicht bei unseriösen Werbefahrten.

Nach Ende der Reisezeit anfang September zählen
Senioren zu den meist umworbenen Opfern.

Eine Busfahrt, ein Mittagessen womöglich auch noch eine Kaffeepause und eine Schifffahrt über einen bekannten See. Ich komme wieder einmal weg von zu Hause und der Ausflug ist ausgesprochen billig. So oder so ähnlich denken Senioren(innen) wenn wieder einmal eine Werbefahrt angepriesen wird. Daher sind diese Werbefahrten besondern im Herbst bei älteren Menschen auch sehr beliebt.

Aber denken Sie daran: Der Veranstalter will Ihr Geld, Sie sollen Betten, Essbesteck, Badesalz, Decken usw. bestellen. Doch die Waren sind meist überteuert und häufig minderwertiger als im Fachgeschäft.
Fühlen Sie sich niemals zu einer Bestellung verpflichtet. Unterschreiben Sie nichts, was Sie nicht genau verstanden haben. Sie sind auch nicht verpflichtet an der Werbeveranstaltung teil zu nehmen. Lassen Sie sich nicht durch Drohungen oder rüden Ton des Verkäufers einschüchtern. Es soll schon vorgekommen sein, dass Verkäufer die Gäste in einem Raum einschließen. Protestieren Sie gegen die Einschränkung Ihrer persönlichen Freiheit und rufen Sie notfalls die Polizei. Es hat schon Veranstalter gegeben, die haben die Klimaanlage im Reisebus auf eiskalt gestellt, angeblich wäre die Anlage defekt. Diese Maßnahme erwies sich als äußerst effektiv. Die Teilnehmer kauften sämtliche angebotenen warmen Decken. Manche Vertreter sind besonders gerissen: Sie schleusen Komplizen in die Reihen der Käufer ein. Damit der Verkauf in Schwung kommt, sind sie an den Produkten äußerst interessiert, loben deren Preise und die Qualität. So entschließen sich auch andere Teilnehmer zum Kauf.
Zum Schutze der Käufer, wegen Verleitung zum unüberlegten Kauf hat der Gesetzgeber bei dieser Art von Geschäften ein Rücktrittsrecht eingeräumt. (Konsumentenschutzgesetz.)
Hier muss der Rücktritt schriftlich, vorzugsweise mit eingeschriebenem Brief innerhalb einer Woche erfolgen. Diese Frist beginnt erst dann zu laufen, wenn Sie eine Kopie des Bestellscheins oder der Auftragsbestätigung mit angeschlossener Belehrung über das Rücktrittsrechts erhalten haben. Fehlt diese Belehrung, verlängert sich auch bei Werbefahrten die Rücktrittsfrist auf ein Monat.

Um das Konsumentenschutzgesetz und damit auch das Rücktrittsrecht zu umgehen, arbeiten die ganz schlauen Werbeveranstalter mit einem neuen Trick. Die Werbefahrt geht ins nahe Ausland. Da wird eine Werbefahrt zum Königsee angeboten und die Werbeveranstaltung findet in einem abgelegenen Gasthof zwischen Freilassing und Bad Reichenhall in Bayern statt. In letzter Zeit werden sogar Werbefahrten nach Südtirol angeboten. Und jetzt dürfen Sie 2 Mal raten, ob dort das Österreichische Konsumentenschutzgesetz noch Gültigkeit hat.

Zum Schluss noch ein Tip der Österreichischen Konsumenten Servicestelle:
Wer sich gegen gut geschulte Vertreter nicht durchsetzen kann, sollte erst gar nicht an solchen Werbefahrten teilnehmen. Verschiedene Seniorenorganisationen führen ebenfalls günstige Busreisen ohne Werbevorführungen durch.

Autor: Franz Hofmann 109