Brustkrebs beim Mann
Häufig zu spät endeckt

Eine Brustkrebserkrankung tritt bei Männern nur relativ selten auf. In Deutschland sind nach inoffiziellen Schätzungen jährlich etwa 400 Männer davon betroffen. Sie erkranken durchschnittlich zehn Jahre später als Frauen, meist im Alter von 60 bis 65 Jahren.


Die genauen Ursachen einer Brustkrebserkrankung, medizinisch Mammakarzinom, beim Mann sind unbekannt. Als mögliche Auslöser gelten Faktoren, die zu Störungen im Hormonhaushalt führen. Daneben belegen Untersuchungen, dass der Krebs nach Hodenerkrankungen wie zum Beispiel eine Entzündung des Hodens nach einer Mumpsinfektion sowie nach Verletzungen des Hodens deutlich häufiger auftritt.
Außerdem scheinen Erkrankungen wie Leberzirrhose und Adipositas (Fettleibigkeit) bei Männern die Entstehung von Brustkrebs zu begünstigen. In bis zu 30 Prozent aller Fälle wird bei den Erkrankten eine genetische Veranlagung vermutet, da eine familiäre Häufung von Brustkrebs nachgewiesen werden kann. Das Brustkrebsrisiko für Männer steigt, wenn ein männlicher oder weiblicher Verwandter ersten Grades bei der Diagnose Brustkrebs jünger als 45 Jahre war.

Schmerzlose, verhärtete Knoten
Männliche Mammakarzinome treten häufig als schmerzlose, verhärtete Knoten in der Brust auf. Die Mehrzahl wird von den Patienten selbst getastet. Auch andere Veränderungen der Brustwarze sollte man ernst nehmen: Wenn sich die Brust nach innen zieht, wenn es aus der Brustwarze blutet oder die Brustwarze mit der Haut verwächst, sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden.
Bei äußerlich sichtbaren Veränderungen und einem positivem Tastbefund wird zur Diagnose eine bildgebende Untersuchung gemacht. Da eine Mammographie bei einer kleinen und festen Männerbrust oft schwierig zu machen ist, wird in der Regel per Ultraschall untersucht. Ein endgültiger Befund lässt sich dann nur anhand einer Gewebeprobe und deren feingeweblicher
Untersuchung stellen. Bei einem positiven Befund wird immer auch Gewebe aus dem "Wächterlymphknoten" in der Achselhöhle entnommen. Sind hier Absiedlungen des Tumors, also Metastasen nachzuweisen, muss davon ausgegangen werden, dass sich Tumorzellen bereits in dem Körper ausgebreitet haben.

Oft zu spät erkannt
Bei einem positiven Befund ohne Befall der Lymphknoten wird eine einfache Mastektomie gemacht. Dabei werden die Brust und das umliegende Brustgewebe entfernt. Nach der Operation wird als unterstützende Therapie immer zu einer Bestrahlung der Brust geraten, um eventuell noch vorhandene Tumorzellen zu zerstören. Lassen sich in den Lymphknoten der Achselhöhle Tumorzellen nachweisen, werden diese Lymphknoten mit entfernt.

In der Regel wird anschließend eine Chemotherapie gemacht. Bei einem großen Teil der Patienten weisen die Tumore zudem hormonrezeptorpositive Oberflächenstrukturen auf. Ist dies der Fall, wird zusätzlich eine Hormontherapie gemacht. Dadurch soll das Tumorwachstum gehemmt werden. Die Prognose ist immer abhängig vom Tumortyp sowie vom Stadium der Erkrankung. Je früher eine Brustkrebserkrankung entdeckt und behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen.

Quelltext: ZDF-Ratgeber (125)