Seniorenunfälle

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ie Diskussion um das Unfallgeschehen älterer
Verkehrsteilnehmer ist fast so alt wie der Automobilismus
selbst



Wenn das Unfallrisiko von Senioren ermittelt werden soll, reicht die Angabe von reinen Unfallzahlen für schlüssige Aussagen nicht aus, vielmehr muss eine Beziehung mit Expositionszahlen (z.B. Fahrleistung oder Verweildauer im Verkehr) hergestellt werden. In Österreich sind solche Analysen weitgehend unmöglich, daher werden gerne Stereotypen bemüht.

Internationale Vergleichszahlen
Die Forschungsergebnisse sind sich in einem Punkt einig: Das Unfallgeschehen von Senioren muss in Bezug auf die Verkehrsarten ebenso differenziert betrachtet werden wie die Definition des Terminus „Senior“ selbst: Die unterschiedlichen Konventionen beschreiben allesamt den Gegenstand des Alterns nur ungenügend über die Festlegung einer Altersgrenze, wie z.B. in Österreich: ab 65 Jahre.

Fußgängerunfälle
Senioren fallen international besonders durch ihre zahlreichen tödlichen Unfälle als Fußgänger auf. Mit rund 60 Prozent Seniorenanteil nimmt Österreich hier europaweit einen Spitzenplatz ein. Aber auch in den anderen EU-Ländern liegt dieser Wert erschreckend hoch. Es stellt sich die Frage, ob die Verkehrssicherheitsmaßnahmen der letzten Jahre den älteren Verkehrsteilnehmern den gleichen Nutzen gebracht haben wie den übrigen Altersgruppen.

Senioren als Pkw-Lenker
Hinter dem Steuer tragen Senioren derzeit noch gering zur Unfallbilanz bei, jedoch mit steigender Tendenz. Die Daten signalisieren ein Bild des defensiven Fahrers, der altersbedingte Defizite durch erhöhte Vorsicht kompensiert und damit auch selten durch Unfälle bei Nacht oder unter schwierigen Wetter- bzw. Straßenbedingungen auffällt. Bei der fahrleistungsbezogenen Betrachtung der Unfälle zeigt sich allerdings in zahlreichen internationalen Studien ein grundsätzlich anderes Bild: Die Zahlen der Unfälle pro Wegstrecke oder Zeiteinheit liegen für Senioren zumindest im Bereich der jüngeren Altersklassen, wobei ab dem 75. Lebensjahr dieses Risiko noch ansteigt und in manchen Analysen Größenordnungen wie bei den unter 25-jährigen erreicht, allerdings mit einem höheren Tötungsrisiko. Anders als bei den jungen Fahrern gibt es bei Senioren übrigens nur geringe geschlechtsspezifische Unterschiede.

Unfallcharakteristika
Bei den Unfalltypen zeigen die Älteren international eine klare Charakteristik: schnelles Erfassen und Agieren in komplexen Verkehrssituationen bereitet Probleme, also die Beachtung der Vorrangbestimmungen auf Kreuzungen, das Einbiegen, das Einparken. Der Anteil an geschwindigkeits- oder alkoholbedingten Unfällen sowie an Unfällen infolge von risikoreichen Fahrmanövern (z.B. Überholen) ist dagegen gering. Die durchschnittliche Unfallschwere liegt trotzdem weit über jener anderer Altersgruppen, weil Senioren aus physiologischen Gründen tendenziell schwerer verletzt werden.

Quelltext: Kuratorium f. Verkehrssicherheit (128)