Bevor im Jahre 2001 Amerika und seine Verbündeten den Krieg in Afganistan starteten, wurden wir Europäer durch die Massenmedien systematisch auf den Krieg eingeschworren. Lautstark wurde rund und die Uhr von den Menschenrechts-verletzungen gegenüber Frauen durch die Taliban berichtet und damit der Krieg begründet.
Vergangene Woche brachte der arabische Sender Al Jazeera auf seiner Internetseite nachstehenden Bericht, deren Übersetzung ich meinen Gästen nicht vorenthalten möchte, da scheinbar in den Medien kein Bedarf mehr besteht, darüber zu berichten.

 

Jamila wurde verheiratet als sie sieben Jahre alt war. Schon neun Jahre war sie den brutalen Schlägen ihres Ehemannes ausgesetzt als sie ihren Schwiegervater um Hilfe ersuchte. Dies wurde als Schande angesehen und ein Familienmitglied schoss ihr in den Fuß.

Während der seltenen Besuche im Haus ihrer Eltern suchte sie die Scheidung zu erreichen. Ein sogenannter JIRAGA ein Mitglied des lokalen Ältesten Rates, zuständig für Streitlösungen, ohne Beiziehung einer formal juristischen Person, in vielen Teilen Afganistans üblich, lehnte ihre Ersuchen ab und schickte sie zurück zu ihren Ehemann.

Jamila, deren wirklicher Name und Wohnort wegen ihrer eigenen Sicherheit nicht genannt werden kann, wurde wieder bestraft, diesmal von ihren Schwiegervater er schlug sie, schnitt ihr ein Nasenloch auf und die Haare ab, anschließend band er sie mit einem Seil vor dem Haus fest.

Andre Huber, der Direktor des Schweizer Büros für Entwicklung und Zusammenarbeit in Afganistan, sagt Misshandlungen und Missbrauch von Frauen wie bei Jamila passieren laufend da sie nur selten gemeldet werden.

Gewalt gegen Frauen existieren auf jedem Kontinent, in jedem Land, in jeder Kultur und Afganistan ist keine Ausnahme. Aber das Problem in Afganistan ist, dass fast alle Fälle nicht angezeigt werden. Grund sind die harten Beschränkungen denen Frau bei der Justiz ausgesetzt sind, sagte Huber zu Al Jazeera

Weibliche Opfer werden oft verleugnet da eine Gleichbehandlung bei der Justiz aus Tradition nur selten statt findet.

Immer wenn Frauen selbst die Misshandlungen anzeigen wird die Gewalttätigkeit gegen sie erhöht. Entweder durch Mitglieder der eigenen Familie oder wie im Fall von Jamila durch das offizielle kriminelle Justizsystem.
Ein United Nations Entwicklungs-Fund für Frauen (UNIFEM) berichtet in Dokumenten von Fällen in denen Frauen nach der Rückkehr zu ihren Familien getötet worden sind.

Die anfängliche Gewalt ist der Anfang zur weiteren Gewalttaten wenn das Opfer mit den verschiedenen Institutionen der staatlichen Gemeinschaft in Kontakt kommt, sagt das Dokument von UNIFEM.

Wenn eine Frauen oder Mädchen bei Regierungsstellen Hilfe suchen, werden sie von den Vertretern der Behörden weiter belästigt. Meistens, wenn Frauen den Fall von Gewalt bei der Polizei anzeigen, werden sie selbst in das Gefängnis gesperrt.


Wie auch immer, der Fall von Jamila ist unterschiedlich von den aktuellen Fällen zu bewerten. Sie ist von ihren Ehemann geschieden und der sitzt nun eine dreijährige Haftstrafe im Gefängnis wegen Misshandlung ab. Möglich wurde das nur durch die Afganische unabhängige Menschenrechtskommission.

Quelltext: Al Jazeera. Übersetzung Webm.(156)