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Hohe Lebensqualität trotz Diabetes

Zukunftsdialog über Diabetes

"Im Bundesland Salzburg ist die medizinische Versorgung von Diabetikern und Dialyse-Patienten gesichert. Diabetes, also Zuckerkrankheit, ist nach wie vor eine ernste Erkrankung, die zudem leider hohe Zuwachsraten aufweist. Rechtzeitig erkannt und richtig behandelt ist heute trotz Diabetes eine sehr hohe Lebensqualität möglich", sagte Landeshauptfrau Mag. Gabi Burgstaller heute, Mittwoch, 3. Dezember, Abend bei der letzten diesjährigen Veranstaltung in der Reihe "Salzburger:Zukunfts:Dialog" im Saal der Bezirksstelle Pinzgau der Wirtschaftskammer Salzburg in Zell am See zum Thema "Diabetes – Neueste Erkenntnisse zu Vorsorge, Früherkennung und Therapie".

Im Mittelpunkt der Informationsveranstaltung, die eine Kooperation der "Salzburger:Zukunfts:Dialoge" mit der Salzburger Woche, dem Krankenhaus Zell am See, der Österreichischen Diabetikervereinigung und der Bezirksstelle Pinzgau der Wirtschaftskammer Salzburg war, stand der Fachvortrag eines des führenden Diabetologen Österreichs, Univ.-Doz. Dr. Raimund Weitgasser von den Salzburger Landeskliniken (SALK). Im Anschluss an den Vortrag standen der Referent, Oberärztin Dr. Sylvia Weninger vom Krankenhaus Zell am See, Anna Mayer, Präsidentin der Österreichischen Diabetikervereinigung, und Landeshauptfrau Mag. Gabi Burgstaller am Podium für Fragen und Anregungen zur Verfügung.

Landshauptfrau Burgstaller betonte: "Mindestens ebenso wichtig wie die erfolgreiche Therapie ist das möglichst breite Wissen über die richtige Vorbeugung durch bewusste Ernährung und Bewegung. Dabei spielt auch die Bewusstseinsbildung, zum Beispiel durch Informationsveranstaltungen wie diese, eine zentrale Rolle. Gründliche Vorbeugung, frühe Diagnose und modernste Therapieformen für alle Betroffenen – das sind die Säulen der Gesundheitspolitik des Landes rund um das Thema Diabetes." Wichtig im Kampf gegen Diabetes sei vor allem die Vermeidung von Risikofaktoren wie starkes Übergewicht, Bewegungsmangel oder zu viel Belastung. "Hier gibt es jede Menge Angebote von Kochkursen bis hin zu Bewegungsangeboten in den Gemeinden", stellte Burgstaller fest. Sehr bedeutend sei außerdem die Früherkennung. So sei der Blutzuckerspiegel zum Beispiel bei einer kostenlosen Gesundenuntersuchung einfach zu bestimmen. "All diese Ansatzpunkte finden sich auch in vielen Projekten des Gesundheitsressorts, wie Gesunde Gemeinde, Gesundes Salzburg 2010 oder Gesundheitstage in den Bezirken, wieder", so Burgstaller. So bestehen zum Beispiel im Pinzgau mit dem "Pinzgauer Diabetesprojekt" folgende Angebote am Krankenhaus Zell am See: Diabetesschulungen, spezielle Diabetesberatungen, Diätberatung und eine Selbsthilfegruppe für Diabetiker.

Zu den Dialyse-Möglichkeiten sagte die Landeshauptfrau: "Derzeit werden rund 170 Patienten in Salzburg mit Dialyse behandelt. Im Krankenhaus Zell am See besteht unter der Leitung von Primarius Univ.-Doz. Dr. René Wenzel eine gute Versorgungseinheit. Auf medizinischer Ebene wird an der Weiterentwicklung der Versorgung gearbeitet, eine Aufstockung der jetzigen Behandlungsplätze wird ab 2010 notwendig sein. Gleichzeitig wird an der Erhöhung der sogenannten Heimdialysen gearbeitet, und im Landeskrankenhaus Salzburg wird die Einrichtung eines nephrologischen Referenzzentrums vorbereitet." Zudem laufen zwischen dem Krankenhaus Schwarzach und dem Landeskrankenhaus St. Veit Kooperationsgespräche im medizinischen Bereich. Einer der Schwerpunkte soll die Innere Medizin umfassen, wo über eine sinnvolle Arbeitsteilung bei Dialysen beraten wird. Dabei erfolgt auch eine Abstimmung mit den Krankenhäusern Zell am See und Mittersill und den niedergelassenen Ärzten. "Die Koordinierung des medizinischen Leistungsangebots ist besonders bei chronisch Kranken wichtig", so Burgstaller.

Schulungen für Diabetiker

Univ.-Doz. Dr. Raimund Weitgasser, Referent des Abends und Diabetologe an der Salzburger Universitätsklinik für Innere Medizin I der SALK und somit Experte für die Erkrankung berichtete: "In den vergangenen 25 Jahren ist die Häufigkeit von Diabetes, wie auch in anderen mitteleuropäischen Ländern, in Österreich um zwei Prozent auf zirka sechs Prozent gestiegen." Zusätzlich könne man von einer hohen Dunkelziffer nicht bekannter Erkrankungen ausgehen. Salzburg liege allerdings mit rund vier Prozent, sprich zirka 23.000 Diabetikern, unter dem österreichweiten Durchschnitt. Verglichen mit den Werten für Österreich insgesamt sei außerdem ein um zwölf Prozent geringerer Anteil in der Gruppe der 65- bis 84-Jährigen festzustellen.

"Wird Diabetes diagnostiziert, so ist die ausführliche Information zur Erkrankung, zu Ernährung und zu Bewegung die wichtigste Behandlungssäule. Neben diesem ersten Schritt wurde vor eineinhalb Jahren das Programm ‘Therapie aktiv‘ begonnen", so Weitgasser weiter. Diabetikerinnen und Diabetiker werden dabei speziell geschult, um Spätschäden zu verhindern.

Um eine weitgehend flächendeckende Versorgung zu ermöglichen und um die Patientinnen und Patienten bestmöglich zu erreichen, werden die Schulungen direkt bei insgesamt 25 niedergelassenen, eigens ausgebildete Ärztinnen und Ärzten durchgeführt. Mit der Einführung des DMP (Diabetes-Disease-Management-Programms) im Juli 2007, das die qualitative Verbesserung der Betreuung von Diabetikern zum Ziel hat, wurden alle organisatorischen Belange in Zusammenhang mit den Schulungen beim Arbeitskreis für Vorsorgemedizin (AVOS) konzentriert. AVOS ist somit Drehscheibe für Schulungen, Schulungsplätze und Schulungsteilnehmer. Medizinischer Leiter ist Univ.-Doz. Dr. Weitgasser, die Qualitätssicherung liegt bei der Paracelsus Privatmedizinischen Universität Salzburg. Einen wesentlichen Beitrag leistet auch das Land Salzburg. 2007 wurden 150 Schulungen durchgeführt, im extramuralen Bereich 41 Schulungen, in Krankenhäusern 88 Schulungen sowie 21 Nachschulungen.

Die Behandlung wird durch neue Erkenntnisse über die Entstehung von Diabetes und damit viele neue Therapieansätze zunehmend komplex. Ein übergewichtiger Patient, bei dem gerade ein Diabetes festgestellt wurde, wird anders behandelt als ein schlanker Patient, bei dem der Diabetes bereits seit Jahren besteht. Neue orale Medikamente, neue Insuline und Injektionshilfen machen neben der Verbesserung der Harn- und Blutzuckerselbstkontrolle das Leben mit der Erkrankung einfacher. So sind zum Beispiel Blutzuckermessgeräte zum Patientengebrauch kleiner, schneller und mit gut sichtbaren Displays versehen.

Mit den Schulungen verbunden sind auch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen der Augen, Nieren und Füße sowie die konsequente Abklärung und Behandlung der oft zusätzlichen Risikofaktoren Bluthockdruck, erhöhte Blutfette und Übergewicht. Auch die Raucherentwöhnung darf nicht vergessen werden. "Unter diesen Voraussetzungen ist das Leben mit Diabetes heute in vielfacher Hinsicht lebenswerter geworden", äußerte sich Landeshauptfrau Mag. Gabi Burgstaller. Auch Selbsthilfegruppen der Diabetikervereinigung seien in diesem Zusammenhang sehr wichtig, da sie ebenfalls die Unterstützung im Alltag zum Ziel haben. Mit dem Landesverband der Österreichischen Diabetikervereinigung steht eine der größten Selbsthilfegruppen in Salzburg zur Verfügung, die umfangreiche Angebote für alle betroffenen Kinder und Erwachsene, wie Skikurse, Kochkurse und vieles mehr, bietet. Informationen zu dieser Selbsthilfegruppe sind im Internet unter www.diabetes.or.at abzurufen.

Qualitätsmarke "Salzburger:Zukunfts:Dialoge"

Die "Salzburger:Zukunfts:Dialoge" stehen als Qualitätsmarke für den öffentlichen Diskurs der Landespolitik mit renommierten Experten aus dem In- und Ausland und mit der interessierten Öffentlichkeit über für das Land Salzburg besonders relevante Zukunftsthemen. Die Salzburger Zukunftsdialoge bieten Informationsvermittlung in attraktiver, zeitgemäßer Form, indem sie eine interaktive Schnittstelle zwischen Politik, Experten beziehungsweise Expertenwissen und interessierter Öffentlichkeit schaffen. Mehr Informationen sind unter www.salzburg.gv.at/szd zu finden. M246-

Quelltext.Salzburger Landeskorrespondenz. (163)

 

 

 

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