Hilfe für ältere Menschen mit Behinderung

Vor allem bedingt durch den medizinischen Fortschritt und verbesserte Lebensbedingungen erreichen immer mehr behinderte Menschen ein hohes Lebensalter. Dies gilt heute besonders auch für geistig behinderte Menschen, die in den kommenden Jahren verstärkt in das Pensionsalter gelangen werden. Darauf macht Sozialreferent Landesrat Walter Blachfellner heute, Mittwoch, 1. Oktober, bei der Vorstellung des neuen Wohnhauses für ältere Menschen mit Behinderung der Lebenshilfe Salzburg in Salzburg-Gneis aufmerksam.

Die Zahlen des Sozialberichts des Landes geben Blachfellner Recht: Waren im Jahr 2000 noch 1,4 Prozent der Menschen mit Behinderung 60 Jahre und älter, die durch die Behindertenhilfe des Landes betreut werden mussten, sind es 2003 bereits 7,4 Prozent, was einer absoluten Zahl von 103 Personen entspricht.

Die Schaffung von Lebensräumen für ältere Menschen mit Behinderung gewinne daher zunehmend an Bedeutung, so Blachfellner. Wird bei jungen Menschen mit Behinderung das Ziel verfolgt, diese in die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt einzugliedern, tritt mit dem Abbau der körperlichen und geistigen Kräfte im Alter die Eingliederung in die Gesellschaft hinter dem pflegerischen Bedarf zurück. Die Konsequenz daraus ist die Umstellung der Hilfe auf „Hilfe zu Pflege", sagte Blachfellner.

Landesrat Blachfellner wies auch darauf hin, dass der Behindertenbereich in den nächsten Jahren der kostenintensivste sein wird. Für 2006 prognostizieren die Experten eine Erhöhung der Ausgaben um 15,4 Prozent gegenüber dem Jahr 2002. Die Ausgaben für Menschen mit Behinderung sind berechtigt, denn die Betreuung alter und behinderter Menschen müsse gesichert sein, sagte Blachfellner.

Im Alter oft ohne Angehörige

Eine besondere Problematik für Menschen mit geistiger Behinderung im hohen Alter stellt die Tatsache dar, dass viele der Betroffenen keine Angehörigen mehr haben, die sich um sie kümmern. Wird in der traditionellen Seniorenpflege ein Großteil der Freizeitgestaltung (Einkauf, soziale Begegnungen, Ausflüge, Lokalbesuche etc.) durch die eigenen Kinder und Enkel ermöglicht, so fällt dies bei Menschen mit geistiger Behinderung fast vollkommen weg, betont Blachfellner. Diese Leistungen werden von Betreuungseinrichtungen und dem dortigen Personal übernommen.

Wie bei nicht-behinderten Seniorinnen und Senioren auch, werden bei alten Menschen mit Behinderung die gleichen menschlichen Grundbedürfnisse berücksichtigt, wie beispielsweise


Wahren der aufgebauten Identität,


relative Selbstständigkeit,


Teilhabe am sozialen Leben und


Möglichkeiten für Betätigung im Alltag.

Insbesondere für ältere Menschen will Sozialreferent Landesrat Blachfellner die Wohn- und Betreuungssituation verbessern, da gerade ältere Menschen mit Behinderung auf Dauer nicht in ihren eigenen vier Wänden leben können. Der Grund: Die Eltern sind zumeist selbst in einem fortgeschrittenen Alter oder auch nicht mehr am Leben.

Mehr investieren in Wohnangebot für Menschen mit Behinderungen

Um ein menschenwürdiges Altern zu ermöglichen, müssen daher Wohneinrichtungen mit rehabilitativen sowie tagesstrukturierendem Angebot bereitgestellt werden, kündigte Blachfellner den Bau weiterer Wohnhäuser an. Rund 16 Millionen Euro, das sind um 10,4 Prozent mehr als im Vorjahr, werden 2003 für Verbesserungen im Wohnangebot für Menschen mit Behinderungen investiert.

Heuer werden im Lebenshilfe Wohnhaus Rottmayrgasse (Salzburg-Stadt) zwölf bis 14 neue Wohnplätze angeboten, 2004 werden das Wohnhaus Bischofshofen als Ersatzbau für das derzeitige Wohnhaus, das einem zeitgemäßen behindertengerechten Zustand nicht entspricht, sowie das Wohnhaus Oberndorf der Lebenshilfe errichtet.

Quelltext: Landeskorrespondenz Szbg.LRG
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