Hilfe wenn Dich der Schlag getroffen hat.


Burgstaller bei Eröffnung der Schlaganfalltherapiestelle Seekirchen.
Dienstag, 28.1.2003


LK Ÿ Die ambulante Nachbehandlung von Schlaganfallpatienten hat einen neuen „Stützpunkt": In der Seekirchener Bahnhofsstraße eröffnet, heute, Dienstag, 28. Jänner, die neue Schlaganfalltherapiestelle. „Die Zeit nach dem Schlaganfall ist die wichtigste. Therapie und Rehabilitation erleichtern den Wiedereinstieg ins Alltagsleben und vermindern die Gefahr eines zweiten, vielleicht tödlichen Schlaganfalls. Daher unterstützt das Gesundheitsressort diese wichtige Versorgungseinrichtung im Flachgau", betonte die zuständige Gesundheitsreferentin Landeshauptmann-Stellvertreterin Mag. Gabi Burgstaller in Seekirchen.

Laut aktuellem Gesundheitsbericht des Landes versterben in Salzburg pro Jahr rund 2.000 Personen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, knapp 700 davon an Schlaganfällen. Rund 13.000 Salzburger/innen müssen sich wegen einer der verschiedenen Herz-Kreislauf-Erkrankungen mindestens einmal im Jahr einer Krankenhausbehandlung unterziehen. Neben dem Herzinfarkt ist der Schlaganfall die häufigste Todesursache und der häufigste Grund für einen Spitalsaufenthalt. Bei ungefähr einem Drittel aller Schlaganfallpatienten bleiben dauerhafte Schäden zurück. Rund 40 Prozent der Erstbetroffenen bekommen einen zweiten Schlaganfall. „Daher ist die rechtzeitige Rehabilitation und Therapie enorm wichtig, denn so kann das Risiko eines zweiten Schlaganfalls deutlich vermindert werden", unterstrich die Gesundheitsreferentin.

Das Land lässt sich die Schlaganfalltherapie einiges kosten, weil es ein krankenanstaltenentlastendes Projekt ist. 460.000 Euro aus Geldern des Salzburger Krankenanstaltenfinanzierungsfonds (SAKRAF) werden jährlich für Hausbesuche und ambulante Betreuung in Therapiestellen in der Stadt Salzburg, dem Flachgau, Tennengau, Pinzgau und Pongau aufgewendet. 13 Therapeut/innen – von der Logopädin über den Ergotherapeuten bis zur Physiotherapeutin – absolvierten im Vorjahr knapp 15.500 Betreuungseinheiten mit 340 Personen. 44 Prozent der Betreuungen waren Hausbesuche. Insgesamt wurden damit 2.689 Haushalte in ganz Salzburg erfasst. Die Therapie kostet nichts, pro Hausbesuch werden 7,20 Euro verrechnet. „Die Gelder des Landes für Therapie und Rehabilitation sind gut investiert – nicht nur aus sozialen und gesundheitlichen Gründen für den Betroffenen, sondern auch aus volkswirtschaftlicher Sicht", sagte Burgstaller. Die Behandlung eines einzigen Schlaganfallpatienten im Spital kostet laut Experten rund 45.000 Euro, die Nachbehandlung in einem Pflegeheim noch einmal rund 2.200 Euro monatlich.

Der Arbeitskreis für Vorsorgemedizin Salzburg, kurz avos, bietet deshalb im Auftrag des Landes-Gesundheitsressorts eine solche Therapie für Schlaganfall-Patienten speziell für Betroffene im Flachgau an. Dieses Programm für den Flachgau wird von Dr. Alexander Czech ehrenamtlich geleitet, landesweit koordiniert der Salzburger Neurologe Dr. Christian Bsteh ehrenamtlich das Schlaganfalltherapie-Projekt von avos und Land Salzburg.

Unterstützung durch speziell ausgebildete Therapeuten

Durch die enge Zusammenarbeit von Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Logopäden soll die bestmöglichste Rehabilitation der Patienten im Alltag sichergestellt sein: Physiotherapeuten verbessern die Bewegungsabläufe, Koordination und Gleichgewicht. Ergotherapeuten kümmern sich zum Beispiel um die Schulung der Feinmotorik, Logopäden unter anderem um die Sprachtherapie, das richtige Schlucken und Übungen gegen Gesichtslähmungen.

Früher galten die Folgen eines Schlaganfalls als unabänderliches Schicksal – heute können die modernen Rehabilitationsmaßnahmen große Heilerfolge erzielen. „Damit gelingt oft größtmögliche Selbständigkeit und manchmal sogar eine Wiedereingliederung in das Berufsleben", weiß Gesundheitsreferentin Burgstaller.

Training wichtig

In der therapeutischen Betreuung der Schlaganfall-Patienten spielt das Training verloren gegangener Fähigkeiten eine zentrale Rolle. Denn je nach Lokalisation der Durchblutungsstörung im Gehirn können verschiedenste Funktionsstörungen bestehen bleiben. Oft können andere Bereiche des Gehirns die Aufgaben zerstörter Nervenzellen übernehmen, doch das muss erst neu erlernt werden. Durch intensives Üben lassen sich große Erfolge erzielen. „Entscheidend ist die Intensität der Therapie", so Dr. Christian Bsteh, ärztlicher Leiter des Programms. „Auch das beste Medikament kann nur wirken, wenn es ausreichend hoch dosiert ist." Für das Wiedererlernen von motorischen Fähigkeiten nach einem Schlaganfall gelte das Gleiche wie für einen Pianisten. „Jede einzelne Bewegung muss hunderttausende Male wiederholt werden, damit sie perfekt beherrscht wird." So bald wie möglich sollte daher nach einem Schlaganfall die Rehabilitation beginnen.

Eine wichtige Rolle spielen dabei die Angehörigen der Schlaganfall-Patienten. Sie können unterstützen, motivieren und damit viel zum Erfolg der Behandlung beitragen. Einmal im Monat findet unter der Leitung einer Psychologin ein Informationsabend für Angehörige statt, dabei gibt es auch die Möglichkeit eines Erfahrungsaustausches für die oft schwer belasteten Angehörigen.

Schlaganfall-Therapiestellen gibt es neben Seekirchen (Telefon: 06212/29675, Bahnhofsstraße 5) noch in der Stadt Salzburg (Telefon: 0662/624772-19, Alpenstraße 107), in Hallein (Telefon: 06245/70927, Salzachtal Bundesstraße Süd 24/1), in Schwarzach (Telefon: 06415/7389, Markt 27) und in Saalfelden (Telefon: 06582/76271, Pensionistenheim, Farmachstraße 12). h18-11C


Franz Neumayr wird den Redaktionen Fotos von der Eröffnung der neuen Therapiestelle für das Landespressebüro anbieten. Diese stehen danach als digitales druckfähiges Bildmaterial in der Bilddatenbank des Landes unter www.salzburg.gv.at/bilddatenbank zur Verfügung.

Quelltext: Pressestelle Szb. LRG.