Senioren - Knigge


"Ach, diese Jugend von heute!" Ältere Menschen sollten eher nach dem Motto "Der Klügere denkt mit" vorgehen, Akzeptanz einfordern und vorleben.
Denn zum Gelingen eines Miteinanders über die Generationsgrenzen hinweg trägt jeder bei, der nicht in grenzenlosem Idealismus eine vollkommene Harmonie über alle Altersstufen, unterschiedliche soziale Umfelder und gegensätzliche Lebensformen hinweg erwartet.


Praktische Ratschläge



1. Rücksicht, Rückzug, Rückendeckung

"Familienbande - das Wort sagt alles", meinte einmal ein leidgeprüfter Großvater. Und doch ist sicherlich auch dieser Opa der Beste. Wenn Menschen älter werden und an Mobilität und Flexibilität einbüßen, ist es die Aufgabe der Eltern, Kinder und Jugendliche zur Rücksicht anzuhalten und bei Begegnungen mit guten Beispiel voranzugehen. Wenn Enkelkinder sich vor dem Kontakt mit älteren Verwandten und Freunden drücken, signalisiert das nicht nur Angst vor Fragen und Tadel, im Gegenteil: viele schützen sich durch den Rückzug vor ihren Verlustängsten. Sich in den Situationen von Krankheit und Tod Zeit für Gespräche nehmen, ist für die Eltern das Vorgehen der Wahl.


2. Mit gutem Beispiel ...

Im Gegenzug sollten Großeltern bei aller Liebe - und aus Liebe! - ihre Erziehungsmaßnahmen den Enkelkindern gegenüber denen der Eltern angleichen. Kinder brauchen Grenzen, mit permanentem Gewährenlassen leisten Großeltern ihnen einen Bärendienst. Leben Sie ihnen einen würdigen Umgang vor, geben Sie notwendige Erklärungen für Ihre Forderungen nach Anstand, Rücksicht und Toleranz. Bitten Sie freundlich um Hilfsdienste, und bedanken Sie sich dafür - ob sie freiwillig oder auf Aufforderung erwiesen wurden.


3. Statt aufregen: handeln

Regen Sie sich nicht über Kraftausdrücke auf. Stellen Sie aber klar: "Solche Worte will ich nicht wieder hören. Nicht über mich, nicht zu mir."Haben Sie den Eindruck, ein Jugendlicher will Sie provozieren, atmen Sie tief durch und verweisen Sie ihn auf seinen Platz. "Komm wieder, wenn du dich beruhigt hast." Die bittere Pille wird ihren heilenden Effekt nicht verfehlen. Ignorieren Sie hingegen Frechheiten, macht ein junger Mensch so lange weiter, bis Sie - endlich! - reagieren. Helfen Sie ihm, im Schoß der Familie zu lernen, dass Verhalten Grenzen und Konsequenzen hat. Regen Sie sich häufig über Verhalten und Kleidung jüngerer Menschen auf? Hören Sie sich beim Tadeln einmal zu: wollen Sie den Eindruck des Dauer-Nörglers vermitteln?
Ob Sie Ihre Silberne oder Goldene Hochzeit oder einen runden Geburtstag im großen Kreis oder allein zu zweit feiern, entscheiden Sie. Lassen Sie sich nicht von den Erwartungen der Verwandtschaft erdrücken. Hinterbliebene kurz nach dem Todesfall eines lieben Menschen haben kaum Freude an einer Feier. Sie einzuladen könnte ein Fauxpas sein, sie nicht zu informieren ebenfalls. Sprechen Sie mit der Person vertrauensvoll darüber, was Sie sich von Ihnen wünscht.


4. Von wegen altes Eisen

Bei der Kleidung heißt es keinesfalls: Je älter desto grauer. Gerade zu weißem Haar passen kräftige Farben. Überprüfen Sie als Dame jedoch, ob Ihr Dekolleté und Ihre Oberarme tatsächlich so präsentabel sind wie vor 20 Jahren. Und die Herren sollten ihren guten Anzug ein paar Tage vor dem Fest schon einmal anprobieren, um zu sehen: Passt er wirklich (noch ).

Autorin: Elisabeth Bonneau - Baden-Baden