nach ihren Wünschen befragt


Entscheidungen nicht über die Köpfe älterer Menschen hinweg treffen
14.07.2003

Sie legen großen Wert auf freundliches Pflegepersonal, wollen in ihrer vertrauten Umgebung gepflegt werden und für sie ist Zärtlichkeit und Sexualität auch in hohem Alter kein Tabuthema. Das sind auf den Punkt gebracht die wichtigsten Ergebnisse einer schriftlichen Umfrage unter Salzburgs Senior/innen, die Sozialreferent Landesrat Walter Blachfellner heute, Montag, 14. Juli, bei einem Informationsgespräch präsentierte.

Hintergrund der Befragung ist die Erarbeitung eines Bedarfs- und Entwicklungsplans für „Pflegebedürftige Personen", welcher erstmals im Jahr 1997 erschienen ist und nun aktualisiert wird. Ziel der Umfrage war es, sicherzustellen, dass Entscheidungen nicht über die Köpfe der älteren Menschen hinweg getroffen werden, sondern eine aktive Einbindung erfolgt, wenn es um die Bedürfnisse von Senior/innen geht", erläuterte der Sozialreferent.

Viele Seniorinnen und Senioren sind gesund und führen ihr Leben weitgehend selbstständig. Für diejenigen jedoch, die Pflege oder auch nur Anlaufstellen für soziale Kontakte brauchen, soll das bestmögliche Angebot zur Verfügung stehen. Für Blachfellner war es wichtig, dass hier die betroffene Personengruppe – die Senior/innen – ein Mitspracherecht erhält. Deshalb wurden zwischen der letzten Februarwoche und der ersten Märzwoche 2003 Fragebögen zu den beiden Themenkomplexen „Pflege" und „Freizeitgestaltung" in den Zeitschriften des Seniorenbundes und des Pensionistenverbandes abgedruckt, die 62.000 Haushalte erreichen.

Zielgruppe waren alle Bürgerinnen und Bürger des Bundeslandes Salzburg ab einem Alter von 55 Jahren, die Mitglieder des Seniorenbundes oder des Pensionistenverbandes Salzburg und in der körperlichen und geistigen Verfassung sind, die Medien der Seniorenvertretungen zu nutzen. Befragt wurden also in erster Linie Personen, die selbst derzeit nicht pflegebedürftig sind, jedoch die nächste Kund/innengeneration der Betreuungs- und Pflegeeinrichtungen im Seniorenbereich darstellen.

Freundlichkeit des Pflegepersonals enorm wichtig

Bei der Frage, „was sie persönlich für wichtig halten, wenn pflegerische Unterstützung notwendig ist", ergibt sich, dass mit 83 Prozent die Freundlichkeit des Pflegepersonals an erster Stelle steht – für Sozialreferent Blachfellner ein Anreiz, das Arbeitsklima für das Pflegepersonal in Senioren(pflege)heimen weiter zu verbessern. „Eine insgesamt gute und als zufrieden stellend erlebte Arbeitssituation erhöht das Interesse, die Motivation und die Freundlichkeit der Mitarbeiter/innen". Um das zu erreichen will Blachfellner vor allem das Image des Pflegepersonals verbessern. Immerhin gaben bei einer im Jahr 2002 von der Wissenschaftsagentur Salzburg unter dem Pflegepersonal in Salzburgs Seniorenheimen durchgeführten Umfrage 60 Prozent der Befragten an, unter der geringen gesellschaftlichen Wertschätzung zu leiden.

Vertraute Umgebung nahe dem Wohnort wichtig

Eine vertraute Umgebung für die Pflege nahe dem Wohnort halten 81 Prozent der Befragten für wichtig, 82 Prozent der befragten Frauen und 80 Prozent der befragten Männer. Wird diese Frage ausdifferenziert nach den Regionen betrachtet, dann zeigt sich, dass zwar in allen Bezirken die absolute Mehrheit der Befragten sich für eine vertraute Umgebung nahe dem Wohnort ausspricht, zwischen den einzelnen Bezirken aber durchaus Unterschiede festzustellen sind. Während im Lungau 89 Prozent der Befragten dies für sehr wichtig halten, sind es im Tennengau 84 Prozent, im Flachgau und Pinzgau 82 Prozent und im Pongau nur mehr 78 Prozent. Den niedrigsten Wert weist die Stadt Salzburg mit 74 Prozent auf. Mit 74 Seniorenheimen und vier Tageszentren in Stadt und Land Salzburg trage das Sozialressort diesem Bedürfnis bereits Rechnung, sagt Blachfellner.

Weiters führte Blachfellner aus, dass die Sozialplanung des Landes derzeit an zwei neuen Betreuungsangeboten für Senior/innen arbeitet. Konkret geht es um die Errichtung von Tagespflegeangeboten, die Personen mit Altersdemenz betreuen sollen. Darüber hinaus, kündigte Blachfellner an, wird es zum bestehenden Betreuungsangebot auch so genannte Senior/innenzentren für noch rüstige Senior/innen geben, die dort informative und kommunikative Anregungen erhalten sollen. „Ziel ist es, vorbeugend dem geistigen und körperlichen Abbau und einer drohenden Vereinsamung entgegen zu wirken", erklärte Blachfellner. Dazu passt auch der geäußerte Wunsch der befragten Senior/innen, dass bei der Tagesbetreuung die Möglichkeit zu plaudern, sprich das kommunikative Angebot, wesentlich ist.

68 Prozent der befragten Frauen und 60 Prozent der befragten Männer halten es auch für wichtig, dass in Tagesbetreuungseinrichtungen Beratungen zu gesundheitlichen Themen angeboten

Seniorenheime werden positiv gesehen

Positiv überrascht ist Salzburgs Sozialreferent über die Haltung der Senior/innen zu den Seniorenpflegeheimen, „zumal dieses Bild so ganz und gar nicht mit jenem übereinstimmt, welches sich junge Menschen von Seniorenheimen machen", sagte Blachfellner. So verbinden rund die Hälfte der Befragten Senioren(pflege)heime mit Geselligkeit, Tatkraft und Abwechslung. Ein Viertel der Befragten bringt Seniorenheime aber auch mit Begriffen wie Einsamkeit (sieben Prozent), Hilflosigkeit (acht Prozent) und Langeweile (sieben Prozent) in Zusammenhang. Landesrat Blachfellner will daher die Freizeitgestaltung in Salzburgs Seniorenheimen weiter verbessern.

Erste Schritte zur aktiven Freizeitgestaltung wurden bereits durch das Projekt „Seniorenhäuser ans Internet" gesetzt, welches großes Interesse findet und immer stärker nachgefragt wird. Aber auch durch die räumliche Gestaltung kann auf den Freizeitaspekt Rücksicht genommen werden. Durch ein vielseitiges Raumangebot in Seniorenheimen mit einem Kaffeehaus oder einem Musikzimmer sei es beispielsweise im Seniorenheim Neumarkt gelungen, dass sich junge Gemeindebürger/innen zu den Seniorenheimbewohner/innen gesellen. Diese Generationen übergreifenden Projekte werden künftig forciert, sagte Blachfellner.

Zärtlichkeit und Sexualität – kein Tabuthema

Bei der Frage nach der Wichtigkeit für Raum und Zeit für Zärtlichkeit und Sexualität bei pflegebedürftigen Menschen, zeigen sich weniger Unterschiede zwischen Männern und Frauen, als zwischen den Altersstufen. So geben 29 Prozent der Frauen und 28 Prozent der Männer an, dass dieser Bereich „sehr wichtig" oder „eher wichtig" ist, wobei sich bei den Männern eine stärkere Tendenz zu „sehr wichtig" abzeichnet. Wesentlich deutlicher ist der Unterschied zwischen der Gruppe der 55- bis 65-Jährigen und denjenigen, die älter als 85 Jahre sind. Während bei der jüngeren Gruppe nur ein Viertel Raum und Zeit für Zärtlichkeit und Sexualität bei Pflegebedürftigen für „eher" oder „sehr wichtig" hält, sind es bei den über 85-Jährigen 46 Prozent. Noch deutlicher wird der Unterschied, wenn nur diejenigen herangezogen werden, die den Bereich für „sehr wichtig" halten (sechs Prozent der 55- bis 65-Jährigen und 27 Prozent der über 85-Jährigen). Eine Entwicklung, die sich von den jüngeren zu den älteren kontinuierlich zunehmend abzeichnet und sich bei der Einschätzung „unwichtig" auch widerspiegelt (34 Prozent der 55- bis 65-Jährigen sagen „unwichtig", aber nur 12,5 Prozent der über 85-Jährigen). H133-11A

Quelltext: Landeskorrespondenz Szbg.LRG